
In Südostanatolien wurden einige der ersten Seiten der Menschheitsgeschichte geschrieben. Am Nordrand des Fruchtbaren Halbmonds, zwischen Euphrat und Tigris, reicht die Geschichte hier Tausende Jahre zurück. Unsere Dokumentation zeigt die eindrucksvollsten Orte der Region – von Göbeklitepe bis zum Nemrut Dağı, von Harran bis Mardin, von den Mauern Diyarbakırs bis zum Zeugma-Mosaikmuseum und dem Botan-Tal in Siirt. In diesem Reiseführer gehen wir die Region Stadt für Stadt durch und erklären, was du jeweils priorisieren solltest.
Şanlıurfa: die ältesten Spuren der Menschheit
Göbeklitepe, rund 12.000 Jahre alt, beherbergt einige der ältesten bekannten Monumentalbauten und steht auf der UNESCO-Welterbeliste. Errichtet von Jägern und Sammlern, bevor sich der Ackerbau verbreitete, zwangen diese Bauten zum Umdenken in der Zivilisationsgeschichte. Das nahe Karahantepe ist eine weitere jungsteinzeitliche Stätte, die durch jüngste Ausgrabungen Aufmerksamkeit erregt hat.
Balıklıgöl (der Teich der heiligen Fische) im Stadtzentrum ist eine heilige Stätte, die mit Geschichten um den Propheten Abraham verbunden ist. Die Moscheen und Medresen rund um den Teich und die Basare daneben sind der lebendigste Teil Urfas. Das Archäologische Museum Şanlıurfa, eines der größten der Türkei, zeigt Funde aus Ausgrabungen der ganzen Region; besuche es unbedingt vor oder nach Göbeklitepe.
Harran ist bekannt für seine Bienenkorbhäuser aus Lehmziegeln mit kegelförmigen Dächern und dafür, eine der frühesten Universitäten der Welt beherbergt zu haben. Halfeti am Euphrat bietet mit einem teilweise vom Stausee überfluteten alten Dorf und Bootstouren ein ganz anderes Bild.
Mardin: die Stadt aus Stein
An einem Hang über der mesopotamischen Ebene erbaut, ist Mardin mit honigfarbenen Steinhäusern, engen Gassen und historischen Bauten die fotogenste Stadt der Region. Die Zinciriye-Medrese, die Große Moschee und der historische Basar sind die wichtigsten Stopps in der Altstadt. In der Nähe beeindruckt die antike Stadt Dara mit Felsgräbern und Zisternen.
Östlich von Mardin ist Midyat für Telkari-Silberfiligran und Herrenhäuser bekannt, und das nahe Kloster Mor Gabriel gilt als eines der ältesten noch aktiven Klöster der Welt.
Diyarbakır: Stadtmauern und Tigris
Festung Diyarbakır und Hevsel-Gärten stehen auf der UNESCO-Welterbeliste. Die kilometerlangen schwarzen Basaltmauern bilden eines der längsten Stadtmauersysteme der Welt. Der Blick von den Mauern über das Tigristal und die Hevsel-Gärten ist atemberaubend. Sehenswert sind auch die Große Moschee, historische Karawansereien und die Zehnbogenbrücke (On Gözlü Köprü). Ein Diyarbakır-Frühstück ist der beste Einstieg in die Esskultur der Stadt.
Gaziantep: Küche und Mosaike
Gaziantep, von der UNESCO als Kreativstadt der Gastronomie ausgezeichnet, ist eine der kulinarischen Hauptstädte der Türkei. Baklava, Beyran (eine scharfe Suppe mit Lamm und Reis), Kebabs aller Art und Katmer (hauchdünner Teig mit Pistazien und Rahm) musst du probieren. Das Zeugma-Mosaikmuseum beherbergt eine der größten Mosaiksammlungen der Welt aus der antiken Stadt Zeugma; das Mosaik des „Zigeunermädchens“ ist sein Aushängeschild.
Auch die Burg von Gaziantep und der Kupferschmiedebasar im Zentrum gehören dazu.
Adıyaman: der Nemrut Dağı
Der Nemrut Dağı mit dem Grabhügel von König Antiochos von Kommagene und den riesigen Steinstatuen ringsum steht auf der UNESCO-Welterbeliste. Die meisten Besucher steigen zum Gipfel, um Sonnenauf- oder -untergang hinter den Statuen zu erleben. Oben kann es selbst im Sommer kalt sein – nimm etwas Warmes mit. Da die Straße im Winter wegen Schnee gesperrt sein kann, finden Besuche meist von Ende Frühling bis Mitte Herbst statt.
Siirt und das Botan-Tal
Einer der unbekanntesten, aber eindrucksvollsten Orte ist das Botan-Tal. Hier in Siirt windet sich der Botan-Fluss durch tiefe Schluchten; das Tal wurde kürzlich zum Nationalpark erklärt und zieht Naturfreunde an.
Beste Reisezeit
Die Sommer in Südostanatolien sind extrem heiß; Besichtigungen im Freien sind im Juli und August anstrengend. Am besten reist du im Frühling (April–Mai) und Herbst (September–Oktober). Im Frühling ergrünt die mesopotamische Ebene, im Herbst ist das Wetter mild und ideal zum Erkunden.
Sicherheitshinweis
Für einige Gebiete nahe der syrischen und irakischen Grenze gelten behördliche Reisehinweise. Prüfe vor der Reise die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise deines Landes (etwa des Auswärtigen Amts, des österreichischen Außenministeriums oder des EDA) für die Provinzen auf deiner Route.
Fortbewegung und Unterkunft
Şanlıurfa, Mardin, Diyarbakır, Gaziantep und Adıyaman haben Flughäfen. In eine Stadt hinein- und aus einer anderen zurückzufliegen, macht die Route effizienter. Flüge vergleichen: Flüge nach Südostanatolien. Zwischen den Städten reist du mit Bus oder Mietwagen. Unvergessliche Unterkünfte sind Mardins Boutiquehotels in alten Steinvillen und die historischen Karawansereien in Gaziantep und Şanlıurfa: Hotels im Südosten der Türkei.
Wenn du Göbeklitepe, Harran und Nemrut mit geführten Touren verbinden willst: Touren im Südosten der Türkei.
Beispielroute (7–8 Tage)
- Gaziantep (2 Tage): Zeugma-Museum, Burg, Basare und Küche.
- Şanlıurfa (2 Tage): Göbeklitepe, Balıklıgöl, Museum, Harran und Halfeti.
- Adıyaman (1 Tag): Sonnenunter- oder -aufgang auf dem Nemrut Dağı.
- Mardin (2 Tage): Altstadt, Dara, Midyat und Mor Gabriel.
- Diyarbakır (1 Tag): Stadtmauern, Hevsel-Gärten und Zehnbogenbrücke.
Eine kulinarische Route
Schon wegen des Essens lohnt sich der Südosten: Baklava und Katmer in Gaziantep, Çiğ Köfte und Isot-Pfeffer in Urfa, Kaburga Dolması (gefüllte Lammrippen) in Mardin, Leberspieße und üppige Frühstückstafeln in Diyarbakır. Die Tische sind hier großzügig gedeckt, und die Gastfreundschaft gehört zu den bleibendsten Erinnerungen der Reise.
Zum Schluss
Südostanatolien bleibt dir nicht nur wegen seiner Sehenswürdigkeiten im Gedächtnis, sondern wegen seiner Gastfreundschaft, seiner Küche und seiner jahrtausendealten Geschichten. Stell dir mit diesem Reiseführer deine eigene Route zusammen.



